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Amílcar Cabral

Amílcar Cabral
Geboren in Bafatá (Guinea-Bissau) am 12. September 1924, ermordet am 20. Januar 1973.
Er studierte an der Technischen Universität Lissabon im Landwirtschaftsinstitut und arbeitete als Agronom nicht nur in Portugal, sondern auch in Angola und Guinea-Bissau, wo er 1953 die ersten und einzige Landwirtschaftszählung in die Wege leitete.
Literarische Produktion: politische und kulturpolitische Texte, dazu Lyrik. Außerdem arbeitete er an einigen Zeitschriften und wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit.
Er beginnt seine politische Aktivitäe in der 40er Jahren und nimmt als Student der Lissaboner Universität teil an den Aktivitäten der demokratischen portugiesischen Jugendorganisationen (MUD Juvenil) und an den legalen afrikansichen Organisationen ("Haus der Studenten des Imperiums" und "Haus des Portugiesischen Arika") und in den 50er Jahren auch an denen der illegalen afrikansichen Organisationen (MAC - Antikolonialistische Bewegung und FRAIN - Revolutionäre Afrikanische Front für die Nationale Unabhängigkeit). In dieser Periode arbeitet Amílcar Cabral eng mit anderen Studenten zusammen, die später im Befreiungskampf der portugiesischen Kolonien historische Bedeutung erlangten, wie etwa Agostinho Neto, Marcelino Santo, Vasco Cabral und Mário de Andrade.
1956 gründet Amílcar Cabral gemeinsam mit fünf anderen Patrioten in Bissau die PAIGC (Afrikanische Unabhängigkeitspartei für Guiné und Cabo Verde) und führt sie als Generalsekretär bis zum Tag seines tragischen Todes. Der Sieg über den portugiesischen Kolonialismus ist vor allem sein Verdienst.


Insel

Du lebst - schlafende Mutter -
nackt und vergessen,
trocken,
geschlagen von den Winden,
im Klang der Musik ohne Melodie,
der Wasser, die uns fesseln …

Insel,
deine Berge und deine Täler
spürten nicht die Zeit vergehen
und blieben in der Welt deiner Schatten
- der Schatten deiner Söhne -
den Winden klagend, die vorüber gehen,
und den Vögeln, die fliegen, frei,
all deine Sehnsucht!

Insel:
endlose Hügel aus roter Erde
- rohe Erde -
Felsenwände, den Horizont verdeckend,
Meer der vier Gesänge, die all unsre Sehnsucht fassen!


Rückkehr

Alte Mutter, komm, höre mit mir:
Da klopft an deine Pforten der Regen,
so pochen die Freunde an die Tür
mit Schlägen, die unser Herz bewegen.

Alte Mutter, Freund Regen, Regen,
wie lange mußten wir auch dich warten …
Ich hörte, daß die Alte Stadt
- die ganze Insel -
in wenigen Tagen zum Garten wurde.

Man sagt, mit Grün bedeckt sich die Erde,
mit jener Farbe, die Hoffnung heißt.
Die Erde ist jetzt wirklich Cabo Verde,
- Glück, das mit dem Gewitter reist.

Du sollst, alte Mutter, mit mir kommen,
nimm deine Kraft und geh zur Tür.
Seit langem hab' ich den Regen vernommen,
inmitten des Herzens spricht er zu mir.


Ich bin alles und bin nichts

Ich bin alles und bin nichts,
aber ich suche mich unaufhörlich,
 - Ich finde mich nicht!
          …
O Wolkenfetzen, unbeschwingte Vögel,
nehmt mich mit euch!
Ich will dieses Leben nicht mehr,
ich möchte ins All gehen,
dorthin, wo ich nicht mehr bin.


In der Tiefe meines Ich

In der Tiefe meines Ich
fühle ich etwas, das mein Fleisch quält,
das mich brennt und martert …

… irgendetwas Fremdes (vielleicht Einbildung),
irgendetwas Fremdes, von dem ich nicht weiß, wo es ist,
das meinen Körper bluten läßt,
das sogar
die ganze Menschheit bluten läßt!

Blut.

Blut, glühend heiß, Tropfen für Tropfen
in der Tiefe meines Ich,
in der unausschöpfbaren Schale meiner Hoffnungen!
Wie gewaltig, dieser Kampf des Menschen:
Und immer wieder werde ich trinken - immer, immer, immer -
dies Blut, das kein Blut ist, das meinem Körper entströmt,
dies unsichtbare Blut - das vielleicht mein Leben ist.


Poem

Wer erinnert sich nicht
jenes Schreis, der einem Donner glich?!
- Gestern war es,
da löste sich mein Schrei des Aufruhrs.

Mein Schrei des Aufruhrs fand Widerhall in den fernsten Tälern der Erde,
überflog Meere und Ozeane,
überschritt den Himalaja der ganzen Welt,
kannte keine Grenzen
und ließ meine Brust beben …

Mein Schrei des Aufruhrs ließ die Brust aller Menschen erbeben,
verbrüderte alle Menschen
und veränderte das Leben …

… Ah! mein Schrei des Aufruhrs, der die ganze Welt durchlief,
überschritt nicht die Welt,
die Welt, die ich bin!

Ah! mein Schrei des Aufruhrs, der so fern verhallte,
so fern, in meiner Kehle!

In der Weltkehle aller Menschen.


… Nein, Poesie

… Nein, Poesie,
versteck dich nicht in den Höhlen meines Seins,
flieh nicht ins Leben.
Brich die unsichtbare Kette meines Kerkers,
öffne weit die Pforten meines Seins
- geh …
Geh zum Kampf (das Leben ist Kampf),
die Menschen da draußen rufen nach dir,
und du, Poesie, bist auch ein Mensch.
Liebe die Poesie der ganzen Welt,
- liebe die Menschen.
Laß deine Poesie zu allen Rassen,
zu allen Dingen.
Mische dich mit mir …

Geh, Poesie:
Nimm meine Arme, damit du die Welt umarmst,
Gib mir deine Arme, damit ich das Leben umfasse.
Meine Poesie bin ich.


Schwarze Rose

Rosa
Sie nennen dich Rosa, meine schwarze Schöne,
und in deiner Schwärze
lächeln deine Zähne.

Dein Körper wiegt sich, du gehst tanzend,
meine schwarze Schöne, lässig und lächelnd,
gehst du voller Leben, gehst voll von Hoffnungen,
in deinem Körper strömen die Säfte des Lebens,
dein Fleisch ruft
und deine Lippen lächeln.

Aber ich fürchte um das Glück im Leben, das du lebst,
in dem Leben, das wir haben …
morgen wirst du Kinder haben, meine schwarze Schöne,
Krampfadern und Schmerzen im Körper;
meine schwarze Schöne, du wirst nicht mehr Rosa sein,
du wirst eine Schwarze sein ohne Leben, leidend,
du wirst eine Schwarze sein,
und ich fürchte um dein Glück!

Meine schwarze Schöne, ich fürchte nicht um dein Glück,
weil das Leben, das du lebst, nicht das Ende hinausschieben wird …
meine schwarze Schöne, morgen wirst du Kinder haben,
aber morgen auch …
… morgen wirst du leben!










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