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Eigene Gedichte

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Sentimentales Lied

Mein Leben will von Zeit zu Zeit

einen Hauch von Traurigkeit:
herbstlich trübes Blätterwehen,
müdes durch den Regen Gehen,
eine kleine Einsamkeit.

Fast verschollene Gefühle,
längst vergeßne Narben pochen.
Fröstelnd geh ich durch die Kühle,
und mein Mut scheint wie gebrochen -
wie mit Anstand traurig sein?

Eisler hat uns das beschrieben:
Regenarten, zweimal sieben -
hundert fallen in mich ein,
tragen mich aus Sommerschwüle,
aus dem Schwarzmeer-Strandgewühle
in die sieben Trauerwochen
(und die alten Wunden pochen)
ach! mit Anstand traurig sein…

Anmerkungen:
Der Titel, zwei Eisler-Zitate und die dargestellten Gefühle zählen zum kulturellen Erbe.
Eisler: Hanns Eisler: 14 Arten den Regen zu beschreiben. op. 70
sieben Trauerwochen: Es bleiben 45 Wochen für optimistische Stimmungen.


Die Welt im Bild

Das Söhnchen auf dem Eisbärfell,
Im Wagen, auf dem Karussell,
Der erste Gang mit Zuckertüte,
Im Garten bei der Kirschbaumblüte,
Mit vierzehn dann der erste Schlips -
Knips!

Campingreisen mit dem Zelt,
Selbst eine Reise um die Welt -
Statt zu erleben, was passiert,
Wird alles nur fotografiert.
Tibet und Königreich Lesotho -
Foto!

Silberhochzeit, Enkelkind,
Eigenheim … Das Leben rinnt.
Und liegt man auf dem Sterbebett,
Heißt es: Sei noch mal so nett
Und lächle so wie früher -
Das wird ein feines Dia!

Technisch ist das Gedicht natürlich veraltet. Heute versichert man sich mit einem Selfie, daß man existiert.


Regen Zeit

Über den stilleren Himmel
Gleiten die schweigenden Keile der Vögel
Und sinken lautlos ins Dunkel,
Wo wir die Inseln wissen.

Erst der Morgen hebt sie wieder empor.

Die langsam schwingenden Kreisel  der Geier -
Metallener Schnitt vor der fallenden Sonne.

Aus den Tümpeln brüllen die Wahnsinnsschreie der Frösche,
Ganz Kehle und Paarung,
Die ganze Nacht hindurch,
Die ganze Nacht.

Langsam erlischt der Hochofen,
Und der Himmel geht durch die Farben des Eisens.
Bevor er zu Asche dunkelt,
Umzittern ihn Blitze,
Und der Regen stürzt über uns,
Noch bevor uns der Donner erreicht.
Er läßt von den Fröschen nur noch den Schrei.
Die Fische queren die Straße.

Der Morgen kommt still.
Regen und Zeit. Seit ewig.


Spreewehr, morgens


Rechts sind Wasser und Nebel, ruhige Schichten
Links schleudert stürzendes Wasser den Nebel nach oben
Wär ich ein Dichter, würd ich folgendes dichten:
Wenn eine Schicht stürzt, kommt die andre nach oben.

PS: Ich bitte um gefällige Beachtung:
Dies ist marxistische Naturbetrachtung!
(Die hier poetisch übertreibt,
Weil ja der Nebel oben bleibt.)


Tierpark I

Das können nicht nur Palmen sein
Wo die großen
Elefanten spazieren gehn
Nein, sie stoßen
Sich auch an deutschen Eichen nicht
Und an preußischen Kiefernzeilen.
Ich bleib dort manchmal morgens stehn -
Wozu sich auch beeilen.


Park Branitz

Ein Park, den ich allein heut hab
Glühroter Efeu, Glockenheide
Im See des Fürstenpaares Grab -
Hier macht sogar das Totsein Freude


Tierpark II

Zebra, Elefant, ein Tier
(nicht genauer sehen wir).
Eintritt, Kurve, endlich Bier -
Tierpark ach, wir lieben dir.


Die Wälder der Kindheit

Die Wälder der Kindheit bleiben uns groß,
Wie viele andere wir auch sahn.
In ihnen brachen die Stürme los,
In ihnen erwachte das Abenteuer,
Die Sehnsucht nach Größe, tief brennendes Feuer,
Die Trauer, die all unsren Lieben entsproß,
Die jede für uns als die erste geschahn.
Die Wälder der Kindheit machten uns groß.

Die Wälder der Kindheit verlassen wir nie,
Auch wenn wir dann in die Städte gehn.
Mitunter brausen die Straßen wie sie.
Wenn wir auf den Häuserdächern stehn
Und auf den höchsten der hohen Türme
Wiegen uns immer der Kindheit Stürme
Und nehmen uns wieder in ihren Schoß.
Die Wälder der Kindheit verlassen uns nie.










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