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Fernando Pessoa

Fernando Pessoa
Portugals Meer

O salziges Meer von Portugal,
Dein Salz sind die Tränen unserer Qual!
Wir kreuzten dich, viele Mütter weinten,
Viele Kinder sich im Gebet vereinten,
So viele Bräute blieben allein,
Aber du, o Meer, solltest unser sein!
 
Lohnte es sich? Alles hat sich gelohnt,
Wenn in uns die große Seele wohnt.
Wer weiter will als nach Bojador,
Durchs Meer der Schmerzen muß er zuvor.
Gott gab dem Meere Weite, Gefahr,
Doch spiegelt es auch den Himmel klar.

Fernando Pessoa, Mensagem

Kap Bojador in Westafrika galt als Grenze der Seefahrt: Danach verdicke sich das Meereswasser, Stürme und Ungeheuer würden ein Weitersegeln verhindern. - Zahlreiche Schiffbrüche auf den vorgelagerten Sandbänken und die Windstillen in diesen Breiten mögen diese Legende befördert haben. Aber es waren portugiesische Seeleute, die weiter nach Süden drangen.


Der Sohn seiner Mutter

Auf verlassenem Felde, leerem,
Wo lau der Morgenwind weht,
Kann er nun der Wärme entbehren:
Durchschossen, zweimal, von Gewehren;
Hier ruht er aus und vergeht.

Die Uniform strahlt im Blut,
Die Arme geöffnet dem Wind,
Blond und blaß, vorbei der Mut,
Blickt er mit Augen ohne Glut
In verlorene Himmel, blind.

So jung! O Gott, wie jung er war!
(Jetzt jedem Alter entflohn.)
Einziger Sohn, den sie gebar,
Den Namen, daß er ihn bewahr,
Gab sie ihm: der Mutter Sohn.

Sein Zigarettenetui liegt neben
Ihm, mit etwas zum Rauchen.
Mutter hat es ihm gegeben,
Noch funktioniert es wie im Leben.
Er wird es nie mehr gebrauchen.

Aus der anderen Tasche hat er gezückt
Eines Tuches Zipfel, gebohrt in den Staub.
Die einst ihn in ihre Arme gedrückt,
Die alte Dienerin hat es gestickt
Mit Spitzen, zart wie geädert Laub.

Dort, weit, zu Hause, geht ein Gebet:
"Kehr zurück, recht bald, bleib verschont!"
(Fäden, die das Imperium webt)
Während er dort liegt und vergeht,
Er, seiner Mutter Sohn.


Wünsche

Ach, daß ich der Staub der Straße wäre
Und die Füße der Armen mich träten …

Ach, daß ich die strömenden Flüsse wäre
Mit den Wäscherinnen an meinen Ufern …

Ach, daß ich die Pappeln wäre am Rande des Flusses
Und ich stünde zwischen Himmel und Wasser …

Ach, daß ich der Esel des Müllers wäre
Und er mich schlüge und hetzte …

Besser, all das zu sein, als durchs Leben zu gehen,
Rückwärtsgewandt und voll von Scham …







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